Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff II

Die großen Hauptabteilungen haben alle eigene Arbeitsverträge, ausgenommen davon sind die Asiaten, die wiedrum komplett andere Verträge haben und über eigene Agenturen in deren Heimatländern vermittelt werden.

In etwa kann man rechnen, dass ein Vertrag etwa 6 Monate dauert, allerdings kommt es auch darauf an, in welcher Abteilung und Position man arbeitet.
ITF (Seafarers – International Transport Ferderation) schützt die Rechte der Seefahrer und kümmert sich auch darum, dass diese nicht ausgebeutet werden. Also alles geht eigentlich wie an Land zu, nur eben das man 7 Tage die Woche ohne freien Tag arbeitet.

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Wenn man den ersten Vertrag fährt, vor allem in den ersten Wochen, ist alles viel anders als an Land. Viele neue Gesichter, viele neue Namen die man sich merken muss, man hat eventuell plötzlich einen Kollegen mit dem man sich eine kleine Kabine teilt. Privatsphäre ist ein Fremdwort. In höheren Positionen, aber auch abhängig von Dienst (Nachtarbeit) bekommt man Einzelkabinen und dann hat man auch sein Privatsphäre wieder. Auf kleinere Schiffen, teilt man sich sehr lange eine Kabine mit Kollegen – hat aber auch so seine Vorteile. Ich hatte lange eine sehr nette Kabinenkollegin – na ja , eigentlich hatte ich großes Glück, denn sie war die Freundin vom Chefkoch und hat daher mit ihn seine Einzelkabine bewohnt. So hatte ich von Anfang an eine Einzelkabine.
Wenn man, so wie ich, schon vorher eine Wohnung hatte und plötzlich lebt man auf 3qm, schläft in Stockbetten (bei großem Glück gabs Leitern, ansonsten musste man zusehen, wie man ins Bett kam), arbeitet fast rund um die Uhr, ist es eine wahnsinns Umstellung zum Leben an Land. Unsere Außenkabine mit Bullauchen war bestückt mit einem Stockbett, einem Spind einem Schreibtisch – Jede von uns hatte eine Lade dort zur Verfügung, einen Mini Mini Fernseher mit Videorecorder und an der Wand hing ein „blinder“ Spiegel. Am Korridor stand uns Damen eine einzige Toillette und eine Gemeinschaftsdusche zur Verfügung.

Wie ich schon in meinem ersten Beitrag zu diesem Thema erwähnt habe, geht man ja grundsätzlich auf ein Schiff um dort zu arbeiten.
Natürlich will man auch etwas sehen, aber sehr oft klappt das nicht. Wie ihr schon in „Verrückt nach Meer“ gesehen habt, hat man nicht immer die Möglichkeit an Land zu gehen. Zum Einen vielleicht weil man mit der Arbeit im Verzug ist, zum Anderen vielleicht weil ein Kollege/In ausgefallen ist oder weil die Gäste zu spät vom Ausflug zurückgekehrt sind… es gibt viele unvorhersehbare Ereignisse und dann kann man einfach nicht an Land gehen. Oft kann es einige Tage hintereinander vorkommen, dass man nicht raus kann, man ärgert sich zwar darüber, kann aber gar nichts dagegegen machen, weil eben der Job vorgeht. Ich kann es vielen an Bord nachfühlen, wenn man aus dem Fenster sieht und die schönsten Strände einem fast zu Füßen liegen.

Es gibt aber auch Tage, Wochen oder Reiseabschnitte, die nicht so gut gebucht sind und dann besteht wieder die Möglichkeit, in der Freizeit, etwas zu unternehmen. An manchen Tagen nutzt man aber auch die Zeit um sich einfach nur auszuruhen, was auch wichtig ist, da der Job durch die 7 Tage Woche und eventuellen Schichtdienst sehr an der Energie zerrt.
Vor allem gegen Ende des Vertrages merkt man die körperliche und auch geistige Ermüdung.

Wenn ich mich heute an meine Schiffszeit zurückerinnere denke ich nur was für eine „crazy“ Zeit das war. Wahrscheinlich die verrückteste in meinem Leben…… Wir haben gearbeitet bis zum Umfallen, haben gefeiert als ob es der letzte Tag in unserem Leben wäre aber Ausflüge konnten wir nicht sehr viele machen. Wenn dann ging es in der Freizeit zu einem Strand (Baden & Schlafen), in ein Cafe oder Restaurant, ganz selten hatten wir die Möglichkeit einen Ausflug zu machen und in der heutigen Zeit ist es nicht viel anders. Natürlich ist alles immer eine Frage in welcher Positon man arbeitet, aber der Großteil hat nicht viel Zeit um Land und Leute kenenzulernen. Diesbezüglich haben die Reiseleiter größeres Glück, da sie ja die Gästeausflüge begleiten.Crewausflüge werden auch nur in gewissen Häfen (wo der Großteil der Gäste einen Tagesausflug gebucht hat und nur wenige sich an Bord befinden) angeboten.

Viele fahren also oftmals um die Welt und haben gar nicht viel oder gar nichts davon gesehen.

Morgen berichte ich euch über dass Essen an Bord – interessiert euch das?

 

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2 Antworten auf “Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff II”

  1. Hallo Frau Hansen! Vielen Dank für diesen interessanten Bolg. Mich würde im Zusammenhang mit „Arbeiten auf einem Kreizfahrtschiff“ einmal interessieren, wie das denn mit dem Urlaub aussieht. Ich stelle es mir sehr schwer vor, nach der langen und arbeitsintensiven Zeit an Bord plötzlich nach Jause zu kommen und „nichts“ zu tun zu haben, da man ja nun in einem ganz anderen Umfeld ist. Was tut man dann, gerade wenn man auch mal etwas länger frei hat? Wird es nicht auch fad? Wie sieht es mit Freundschaften außerhalb der Schiffsfamilie aus? Diese Umstellung ist bestimmt nicht leicht.

    Herzliche Grüße
    Martina

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  2. Interessante Berichte, die vielleicht so manchem aufzeigen, wie es in Wahrheit ist. Und ja, natürlich interessiert es mich – alles, was halt mit Schiffen dieser Welt zu tun hat. Danke dafür!

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